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Festvortrag Dr. Albert Schmid Papst Benedikt XVI.

17.04.2015 | Martkl am Inn | Bürgersaal | 20:00 Uhr

Benedikt XVI., 19.4.2005 – 16.4.1927 – 11.2 2013. Mit diesen Daten begann Albert Schmid seine Ausführungen am Festabend des 17.4.2015 im Marktler Bürgersaal. Der pensionierte Jurist Schmid ist Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und kann auf eine auf ein reiche Erfahrung als Politiker zurückblicken, vom Bürgermeister der Stadt Regensburg über den Vorsitz der SPD- Landtagsfraktion Bayern bis zum Präsident des heutigen Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Berlin. Der Bürgersaal war gut gefüllt und aufmerksam verfolgte die Festversammlung, darunter die Delegationen mit den Bürgermeistern der Partnergemeinden aus Wadowice, Sotto il Monte Giovanni XXIII. und Gönnheim, wie auch aus Canale d’Agordo, dem Geburtsort Johannes Paul I., die Ausführungen von Albert Schmid.
Als erstes ging der Festredner auf die berühmte Regensburger Rede vom 12.09.2006 ein. Berühmt, wegen des Mohamed Zitates, das zu einer Welle von Gewalt in der islamischen Welt führte. Benedikt XVI. ging es gerade um das Gegenteil, nämlich, dass Religion und Gewalt nicht vereinbar sind. Zudem begründete Benedikt XVI., dass die Theologie als Wissenschaft verpflichtet ist zum Dialog mit den anderen Natur- und Geisteswissenschaften. Der Papst hat damals mit seiner Rede Horizonte eröffnet, so Albert Schmid, die es von Seiten der Politik wie der Theologie aufzugreifen gilt.
Als zweites ging Albert Schmid auf die Ansprache von Benedikt XVI. im Konzentrationslager Ausschwitz ein. Er würdigte die Worte Benedikts vom „Verbrechen gegen Gott und den Menschen ohne Parallele in der Geschichte“ als historische Einordnung des Holocausts. Weiter zitierte er den Papst, sprechend „ als Sohn des Volkes, über das eine Schar von Verbrechern mit lügnerischen Versprechungen … Macht gewonnen hatte, so dass unser Volk zum Instrument ihrer Wut des Zerstörens und des Herrschens gebraucht und missbraucht werden konnte“. Benedikt XVI. unterscheidet also zwischen denen, die sich brauchen ließen und denen, die missbraucht wurden. Albert Schmid sprach von einer Unterstellung, als im Nachklang behauptet wurde, dass Benedikt aus Tätern Opfer machen wolle.
Nun besprach Albert Schmid 3 Reden Benedikts, gesprochen bei seinem Deutschlandbesuch 2011. Er erläuterte die Bundestagsrede des Papstes vom 22.09.2011. Benedikt XVI. überraschte schon mit dem Thema „Die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates“. Der Papst, von manchen boykottiert, spricht von der Freiheit des Staates und von Vernunft und Natur als Rechtsquellen. Auf das Gewissen zu hören, ist notwendig für die Verantwortlichen, z.B. in Menschenrechtsfragen wie auch in bioethischen Themen.
Als viertes ging der Redner auf die Begegnung mit Vertretern der EKD (evangelische Kirche Deutschlands) in Erfurt ein. Die Öffentlichkeit setzte falsche Erwartungen in diesen Besuch und wieder überraschte Benedikt XVI. mit seinem Thema. „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ fragte er mit Martin Luther und stellte ein zentrales Thema des Reformators zum Gespräch. Benedikt eröffnete ein Gesprächsangebot an die evangelischen Christen zu einem wesentlichen Punkt. Lasst uns reden über die Gegenwart Gottes in unserer Welt und eintreten, dass wir „diese Gemeinsamkeit im gemeinsamen Zeugnis für den Gott Jesu Christi in dieser Welt als unsere unverlierbare Grundlage erkennen“. Ein wahrhaft notwendiges Unterfangen in unserer säkularen Welt.
Schließlich erörterte Albert Schmid die Freiburger Rede, in der Benedikt XVI. diesmal die kirchlich Engagierten überraschte mit seinem Wort von der Entweltlichung. Die Kirche darf sich nicht einrichten in der „Welt“, sie darf sich nicht nur um sich selbst drehen, sie muss wieder arm werden, so Benedikt XVI. an seine deutsche Kirche. Es gehe darum, „die Herrschaft der Liebe Gottes nach dem Evangelium durch Wort und Tat hier und heute zu bezeugen, und dieser Auftrag weist zudem über die gegenwärtige Welt hinaus“. Ein klares und kritisches Wort an alle kirchlich Engagierten!
Benedikt XVI., der Theologe und Intellektuelle auf dem Stuhl Petri, hat gerade den Deutschen Impulse gegeben für eine gute Zukunft in unserem Land, die es zu ergreifen gilt. Die Verantwortlichen in Marktl/Inn haben mit diesem Festabend und der Festwoche insgesamt einen nicht zu unterschätzenden Beitrag geleistet.
Im Anhang finden sie die Punktation der gesamten Rede von Dr. Albert Schmid.

Foto: Alfred Kleiner

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