Kommunion von Benedikt XVI.

Benedikt XVI.

19. April 2005: Joseph Ratzinger ist Papst Benedikt XVI. Von Anfang an wird deutlich, wie der Papst sein Amt versteht. Schon Name und Wappen sind Programm. Besonders mit seiner Deutung der uralten Zeichen Pallium und Fischerring übersetzt Papst Benedikt die Botschaft des Evangeliums in die Gegenwart. Das Pallium steht für den Hirten, der das verirrte Lamm auf seine Schultern nimmt und zum Wasser des Lebens führt. Der Fischerring verweist auf den Fischer Petrus, der im Auftrag Christi zum Menschenfischer wird. So sieht Papst Benedikt XVI. seine Aufgabe als Nachfolger Petri darin, die Menschen aus der Entfremdung in das Licht Gottes zu führen.

Der Name

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Der Namensvorgänger von Benedikt XVI. im Papstamt ging als Friedenspapst in die Geschichte ein. Benedikt XV. (1914–1922) hatte sich unermüdlich für die Beendigung des Ersten Weltkrieges eingesetzt. Benedikt XVI. signalisiert mit dieser Namenswahl, dass er um seine Verantwortung für Frieden und Versöhnung weiß. Der Name Benedikt verweist weiter auf den großen Ordensgründer Benedikt von Nursia (480–547). Die Benediktiner haben Bayern, die Heimat des Papstes, entscheidend geprägt. Ohne Benedikt von Nursia ist unsere europäische Kultur nicht denkbar. Dieser Heilige steht für die Kontinuität des Christentums in Europa. Benedictus heißt übersetzt »der Gesegnete«. Papst Benedikt XVI. schreitet »bei der behutsamen Deutung des von ihm übernommenen Namens von der Papstgeschichte mit dem Rückgriff auf einen Vorgänger gleichen Namens über die Stellung des Mönchvaters Benedikt für die Herkunft und die Zukunft Europas bis hin zu den in Jesus Christus erfüllten Verheißungen des Heils für alle Völker«. (Karl Kardinal Lehmann)

Das Wappen

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Als erster Papst verzichtet Benedikt XVI. im Wappen auf die Tiara als Symbol der Macht. An deren Stelle setzt er eine einfache Mitra mit drei goldenen Querstreifen, die für die drei Gewalten des Papstamtes stehen: Weiheamt, Jurisdiktion und Lehramt. Die gekreuzten Schlüssel erinnern an die Nachfolge des Papstes im Petrusamt. Neu im päpstlichen Wappen ist auch das Pallium, das mit roten Kreuzen bestickt ist. Die Motive im Schild erscheinen bereits im Wappen, das Joseph Ratzinger als Erzbischof von München und Freising von 1977 bis 1982 verwendete. Der gekrönte Mohr findet sich seit mehr als tausend Jahren im Wappen der Freisinger Bischöfe. Für Papst Benedikt ist er »Ausdruck der Universalität der Kirche, die keinen Unterschied der Rassen und der Klassen kennt, weil wir alle ›einer sind‹ in Christus«. Der Bär mit Packsattel ist ein Attribut des heiligen Korbinian, dem Patron des Erzbistums München und Freising. Der Legende nach soll ein Bär das Packpferd Bischof Korbinians auf seiner Reise nach Rom zerfleischt haben. Zur Strafe musste dann der Bär das Bündel in die Stadt tragen und wurde erst dort vom Heiligen wieder frei gelassen. Dieser Bär symbolisiert als »Lastträger Gottes« die Bürde des Amtes. Die Jakobsmuschel nimmt Bezug auf das pilgernde Gottesvolk, als dessen Hirte sich Benedikt XVI. sieht. Zugleich verweist die Muschel auf den Kirchenlehrer Augustinus. Dieser beobachtete der Legende nach ein spielendes Kind, das versuchte, mit einer Muschel das Wasser des Meeres in eine kleine Grube zu schöpfen. In diesem Moment sei Augustinus bewusst geworden: »So wenig diese Grube die Wasser des Meeres fassen kann, so wenig kann dein Verstand das Geheimnis Gottes umgreifen.«

Der Fischerring

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Die Amtseinführung des neuen Papstes wird traditionell wenige Tage nach der Wahl in einem Gottesdienst vollzogen. Die vormals aufwendige Investitur ist in neuerer Zeit einer schlichteren Amtseinführung gewichen, deren Kernritual das Anlegen des Palliums und die Übergabe des Fischerrings sind. Der Fischerring gehört seit dem 14. Jahrhundert zu den Insignien des Papstes. Der Ring trägt – neben dem Namen des Papstes – das Bild des Apostels Petrus, der ein Fischernetz in sein Schiff zieht. Seit Papst Nikolaus V. (1447–1455) wird auch der Fisch als Christuszeichen eingraviert. Die Päpste verwendeten den Fischerring bis 1843 zum Siegeln ihrer Schreiben. Nach dem Tod des jeweiligen Papstes wird der Ring vor den Augen der Kardinäle zerstört.

Das Pallium

Das Pallium ist seit dem 9. Jahrhundert ein Amtsabzeichen der Erzbischöfe und wird diesen vom Papst verliehen. Es ist eine Art Stola, die über dem Messgewand getragen wird. Auf das Pallium sind fünf schwarze oder rote Kreuze gestickt. Diese symbolisieren die fünf Wundmale Christi. Im Pallium des Papstes werden drei der aufgestickten Kreuze mit Nadeln durchstochen, die an die drei Kreuzesnägel erinnern. Gewoben werden die Pallien von Nonnen des Klosters Santa Cecilia im römischen Trastevere. Auch das schafwollene Garn zu diesen Geweben spinnen die Nonnen von Santa Cecilia. Getragen wird das Pallium nur innerhalb der entsprechenden Kirchenprovinz. Allein der Papst darf das Pallium tragen, wann und wo immer er will. Das Pallium ist nicht übertragbar und wird daher meist mit dem verstorbenen Erzbischof begraben. Papst Benedikt XVI. trägt ein Pallium mit purpurnen Kreuzen. Man kann dies als einen Schritt des Papstes hin auf die Kirchen der Orthodoxie interpretieren. Die Päpste benutzen einen besonderen Kreuzstab. Das Fehlen der Krümmung oben soll symbolisch darauf verweisen, dass die Hirtengewalt des Papstes durch keine andere Gewalt auf Erden begrenzt ist.

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