Mann der Kirche
Foto: Petersdom in Rom

Mann der Kirche

Mann der Kirche

»Allmählich ist mir klar geworden, dass das, was Gott mit mir vorhat, mit dem Priestertum zu tun hat«, sagt Joseph Ratzinger im Rückblick. Seine Verwurzelung in Familie und Kirche und die Erfahrung der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus bestärken den jungen Joseph Ratzinger auf seinem Weg zum Priestertum. Eine beeindruckende geistliche Karriere nimmt ihren Lauf.

Priester

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Die Verlockungen der Nationalsozialisten können Joseph Ratzinger nicht anrühren. Er durchschaut die Tyrannei und er kennt sein eigenes Ziel: Er will katholischer Priester werden. Zusammen mit 120 Seminaristen tritt er Ende 1945 ins Freisinger Klerikalseminar ein und studiert an der dortigen Hochschule Philosophie. 1947 schließt sich das Studium der Theologie an der Universität München an. Am 29. Juni 1951 wird er mit seinem Bruder Georg und 42 weiteren Kandidaten von Michael Kardinal von Faulhaber zum Priester geweiht. Am 8. Juli feiert er gemeinsam mit seinem Bruder in Traunstein Primiz. Nach einer kurzen Tätigkeit als Aushilfspriester in Moosach folgt ein Jahr der Seelsorge in München-Bogenhausen. Er hat ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen: Religionsunterricht in sechs verschiedenen Klassen, stets zwei verschiedene Sonntagspredigten. Er hat intensiven Kontakt mit der Jugend und unzählige Begegnungen mit den Menschen: im Beichtstuhl, am Krankenbett, bei Taufen und Beerdigungen. 1952 wird der junge Kaplan als Dozent ins Priesterseminar Freising berufen. Er hält Vorlesungen zur Sakramentenpastoral. Bereits 1953 wird Joseph Ratzinger zum Doktor der Theologie promoviert. Seine akademische Karriere nimmt ihren Lauf: Der Habilitation im Jahr 1957 schließt sich die Tätigkeit als Professor in Freising und schließlich als Lehrstuhlinhaber in Bonn, Münster, Tübingen und schließlich Regensburg an.

Erzbischof und Kardinal

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1977 wird der Theologieprofessor Joseph Ratzinger aus seiner fruchtbaren Lehr- und Forschungstätigkeit heraus gerissen: Er wird zum Erzbischof von München und Freising ernannt. Erst nach gründlicher Überlegung nimmt er das Bischofsamt an. Zu seinem bischöflichen Wahlspruch wählt er ein Wort aus dem dritten Johannesbrief: cooperatores veritatis, Mitarbeiter der Wahrheit – wohlgemerkt im Plural, wie Ratzinger gerne betont. Am 28. Mai wird er im Münchener Liebfrauendom zum Bischof geweiht. Bereits vier Wochen später ernennt ihn Papst Paul VI. zum Kardinal. In seiner Funktion als Erzbischof fühlt sich Joseph Kardinal Ratzinger verpflichtet, Kritik am Zeitgeist und an gesellschaftlichen Zuständen zu üben, aber gleichzeitig den Dialog in Gang zu halten. Die Zeit als Erzbischof sollte für Joseph Kardinal Ratzinger nicht von langer Dauer sein: Am 25. November 1981 ernennt ihn Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Katholischen Glaubenskongregation in Rom – eines der höchsten Ämter, das die katholische Kirche kennt. Am 15. Februar 1982 verzichtet Kardinal Ratzinger auf das Amt des Münchener Erzbischofs; am 28. Februar verabschiedet er sich mit einem Pontifikalgottesdienst, einem Gebet an der Mariensäule und einem Festakt im Herkulessaal der Münchner Residenz aus Bayern

Präfekt der Glaubenskongregation

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Als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre hat Kardinal Ratzinger die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen. Von Anfang an bekleidet er eine Vielzahl von Ämtern. So ist er auch Präsident der Päpstlichen Bibelkommission und der internationalen Theologenkommission. Von 1986 bis 1992 leitet er zudem die Päpstliche Kommission zur Erstellung des »Katechismus der Katholischen Kirche«. 1998 wird Kardinal Ratzinger Vizedekan und 2002 schließlich Dekan des Kardinalskollegiums. In dieser Funktion leitet er die Beisetzungsfeierlichkeiten nach dem Tod Johannes Pauls II. und das Konklave, aus dem er selbst am 19. April 2005 als Papst hervorgeht.

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