28.06.2026 · Marktl · Geburtshaus · 11:00 Uhr
Interessiert verfolgten 30 Zuhörer die Ausführungen von P. Dr. Hermann Geißler FSO, der im Papstgeburtshaus Marktl über seine persönlichen Erinnerungen an seine Zeit an der römischen Glaubenskongregation sprach, an der er von 1993 bis 2019 tätig war. Sein Vorgesetzter war bis zur Papstwahl 2005 Kardinal Joseph Ratzinger.
P. Geißler schilderte den kollegialen Arbeitsstil des Präfekten Ratzinger. Zu klärende Fragen wurden zuerst von jungen Mitarbeitern aufbereitet, ehe dann Theologieprofessoren und Kardinäle darüber berieten. Schließlich legte der Präfekt dem Papst die Themen zur Entscheidung vor.
Damit die etwa 30 Mitarbeiter nicht nur um ihre schwierigen Fragen kreisten, legte Kardinal Ratzinger Wert auf die gemeinsame tägliche Pause, auf Gottesdienste und Ausflüge sowie auf eine geistliche Einstimmung auf die kirchlichen Feste.
Der spätere Papst Benedikt XVI. wollte die Freiheit der Theologen in der Weltkirche gewahrt wissen, sah sich aber in der Pflicht einzugreifen, wenn der Glaube des Gottesvolkes verzerrt dargestellt wurde. Um den internationalen Austausch zu fördern, empfing Kardinal Ratzinger eine Vielzahl von Bischöfen aus aller Welt und unternahm Reisen in verschiedene Kontinente, um die Lage des Glaubens kennenzulernen. Eine besondere Frucht dieser Jahre, so der Referent, sei die Erarbeitung des Weltkatechismus gewesen. Auch habe der Präfekt das Archiv der früheren Inquisition für die Forschung geöffnet.
Joseph Ratzinger sei, so der Referent, kein Kurialer gewesen, dem es um Seilschaften gegangen sei. Als friedliebender und humorvoller Mensch sei ihm ein kollegiales und diszipliniertes Arbeitsklima wichtig gewesen. Seine Mitarbeiter habe er zu Einfachheit und Bescheidenheit aufgerufen. Private Kontakte habe er auch mit der Pförtnerin und dem Chauffeur der Kongregation gepflegt.
Gleich am Tag nach seiner Wahl zum Papst, erinnerte sich P. Geißler, sei Benedikt XVI. noch einmal in die Glaubenskongregation gekommen und habe deren Mitarbeiter als „seine Familie“ bezeichnet.
Dr. Franz Haringer dankte P. Dr. Hermann Geißler für seinen lebendigen Vortrag und lud alle zu einem Stehempfang ein.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach statt.
Foto: privat